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Ratgeber · 9 Min.

Thermografie, Formiergas oder Druckprobe: Welches Ortungsverfahren wann trägt

21. September 2026

Leckortung ist kein einzelnes Gerät, sondern eine Reihe von Messverfahren, die jeweils eine andere physikalische Spur verfolgen: Wärme, Schall, Gas, Druck, Bild oder Feuchte. Welches davon trägt, entscheidet nicht die Vorliebe des Anbieters, sondern das Medium in der Leitung, das Material ringsum und die Art des Austritts. Dieser Ratgeber erklärt die Verfahren der Reihe nach, benennt ihre Grenzen offen und ordnet sie typischen Schadensbildern zu.

Die kurze Antwort: Das Verfahren richtet sich nach dem Medium

Jedes Ortungsverfahren braucht einen Unterschied, den es messen kann: die Wärmebildkamera einen Temperaturunterschied, die Elektroakustik ein Fließgeräusch, das Formiergas einen Weg an die Oberfläche, die Druckprobe eine absperrbare Leitung. Fehlt die Voraussetzung, liefert das Verfahren gar kein Ergebnis.

  • Warmes Medium wie Heizung oder Warmwasser: Thermografie ist der erste Zugriff.
  • Kaltwasser unter Betriebsdruck: Elektroakustik, bei fehlendem Geräusch Formiergas.
  • Drucklose Abwasserleitungen: Rohrkamera mit Ortungssonde, Nebel oder Färbemittel.
  • Unklar, ob überhaupt eine Undichtigkeit vorliegt: zuerst die Druckprobe.

Sie schließen einander nicht aus, sondern beantworten verschiedene Fragen: Die Druckprobe sagt, ob ein Leck existiert. Thermografie, Akustik und Gas sagen, wo es sitzt. Endoskopie und Rohrkamera zeigen, wie es aussieht. Die Feuchtemessung zeigt das Ausmaß.

Thermografie mit der Wärmebildkamera

Die Kamera misst die Infrarotstrahlung der Oberfläche und übersetzt sie in ein Temperaturbild. Sie sieht nicht durch die Wand, sondern zeigt, wie sich Wärme von innen durchzeichnet: eine warme Heizungsleitung als schmale Spur im Estrich, eine austretende Warmwasserleitung als unscharfe Fläche. Durchfeuchtete Zonen erscheinen durch Verdunstungskälte oft kühler als der trockene Putz daneben. Das Verfahren arbeitet berührungslos und erfasst große Flächen schnell.

Die Grenze liegt in Tiefe und Aufbau: Je dicker der Bodenaufbau und je besser die Dämmung, desto schwächer und breiter das Signal. Kaltwasserleitungen zeigen keinen Kontrast, eine laufende Fußbodenheizung überstrahlt alles andere, Sonneneinstrahlung und Möbel erzeugen Muster, die wie ein Schaden aussehen. Das Wärmebild liefert deshalb eine Verdachtszone, keinen Punkt.

Elektroakustik: Bodenmikrofon und Korrelator

Wasser, das unter Druck austritt, erzeugt ein Geräusch, das über die Rohrwand und das umgebende Material weiterläuft. Das Bodenmikrofon verstärkt es, sodass man die Fläche punktweise abtastet und das Maximum sucht. Der Korrelator nimmt dasselbe Geräusch an zwei Kontaktstellen auf und errechnet aus der Laufzeitdifferenz, wo dazwischen es entsteht. An metallischen Leitungen im Erdreich grenzt das die Stelle oft auf wenige Meter ein.

Die Grenze ist das Geräusch selbst. Ohne Druck auf der Leitung gibt es nichts zu hören; ein feiner Riss in gedämpftem Aufbau kann zu leise sein, ein großer Austritt in lockerem Sand ebenso. Verkehr, Pumpen und laufende Geräte überlagern das Nutzsignal, weshalb oft nachts gemessen wird. Fehlt der Bestandsplan, wird die Trasse zuerst geortet.

Formier- und Tracergas 95/5

Formiergas 95/5 besteht aus 95 Prozent Stickstoff und 5 Prozent Wasserstoff. In dieser Mischung ist es nicht brennbar, und das leichte Wasserstoffmolekül entweicht durch feine Risse und steigt durch Estrich, Fugen und Putz nach oben. Die Leitung wird entleert und mit Gas gefüllt, der Austritt mit dem Gasspürgerät gesucht. Das trägt dort, wo Wärme und Schall aufgeben: bei kaltem Medium, kleinen Austritten und Kunststoffrohren.

Die Grenze ist der Weg des Gases: Dampfsperren, durchgehende Beläge und versiegelte Oberflächen lenken es seitlich ab, Hohlräume und Schächte wirken wie Kamine. Die Leitung muss entleerbar und absperrbar sein. Passend ist Formiergas, wenn akustisch nichts zu hören und thermisch nichts zu sehen war.

Druckprobe mit dem Manometer

Die Druckprobe beantwortet die Vorfrage. Ein Abschnitt wird abgesperrt, auf einen definierten Prüfdruck gebracht und beobachtet: Hält der Zeiger am Manometer, ist der Abschnitt dicht, fällt er, verliert er Medium. Durch schrittweises Absperren zeigt sich der betroffene Kreis. Das Ergebnis ist protokollierbar und dient nach der Reparatur als Abnahme. Bei fallendem Anlagendruck in der Heizung ist es der erste Schritt.

Die Grenze ist ebenso eindeutig: Wo das Leck sitzt, sagt die Druckprobe nie, nur in welchem Abschnitt. Sie setzt voraus, dass sich dieser absperren lässt, was in Bestandsinstallationen nicht immer gelingt. Temperaturschwankungen können einen Druckabfall vortäuschen oder verdecken, deshalb gehört die Temperatur ins Protokoll.

Endoskopie: der Blick in den Hohlraum

Eine kleine Kamera an biegsamem Schaft wird durch eine Bohrung von wenigen Millimetern in einen Hohlraum geführt, etwa hinter die Vorwandinstallation, in den Schacht oder die abgehängte Decke. Auf dem Monitor ist zu sehen, ob dort Wasser steht, eine Verschraubung tropft oder Dämmung durchnässt ist. Aus der Verdachtszone wird ein belegter Befund mit Bild.

Die Grenze ist der Zugang: Die Endoskopie sieht nur, wohin sie kommt, und sie sucht nicht, sondern prüft eine eingegrenzte Stelle. Ohne Hohlraum gibt es nichts zu befahren. Sie ist das bestätigende Verfahren nach der Ortung, nicht davor.

Feuchtemessung: Ausmaß statt Ort

Gemessen wird je nach Gerät kapazitiv an der Oberfläche oder mit Elektroden im Material, bei Estrich auch in der Dämmschicht. Das Ergebnis ist ein Feuchteprofil: wo es nass ist, wie stark, und in welche Richtung die Werte ansteigen. Diese Richtung zeigt zur Quelle hin. Die Messung entscheidet zudem, welche Bauteile getrocknet werden, und belegt den Abschluss der Trocknung.

Ein Leck findet sie nicht. Wasser wandert mit dem Gefälle, in Dämmschichten und Fugen teils über mehrere Meter, der nasseste Punkt ist also nicht zwingend die Schadstelle. Salze und Metall im Aufbau verfälschen die Anzeige, weshalb Werte nur im Vergleich mit einer trockenen Referenzfläche etwas aussagen.

Abwasserleitungen: Rohrkamera, Nebel und Färbemittel

Abwasserleitungen laufen drucklos, damit fallen Akustik und Druckprobe als erste Wahl weg. Die Rohrkamera zeigt Risse, Scherbenbildung, Wurzeleinwuchs und offene Muffen im Bild, die Ortungssonde im Kamerakopf sendet ein Signal, das an der Oberfläche angepeilt wird, üblich sind 33 und 512 Kilohertz. So lassen sich Verlauf und Tiefe der Schadstelle von oben markieren, bevor gegraben wird.

Das Nebelverfahren bläst einen sichtbaren, ungiftigen Prüfnebel ein, der an undichten Stellen und Fehlanschlüssen austritt; das Färbeverfahren klärt mit eingefärbtem Wasser, welche Einläufe, Schächte und Austrittsstellen zusammenhängen. Beide zeigen einen Zusammenhang, nicht die exakte Fehlstelle. Die Kamera braucht freie Sicht, die Sonde wird durch Bewehrung und Verlegetiefe ungenauer.

Warum fast immer zwei Verfahren kombiniert werden

Ein einzelnes Verfahren liefert meist eine Vermutung, nicht die Stelle. Die Wärmebildkamera zeigt eine warme Fläche, sagt aber nicht, ob die Leitung darunter tropft oder der Estrich nur Wärme verteilt. Der Korrelator nennt einen Punkt, der von der angenommenen Trasse abhängt. Erst wenn zwei unabhängige Verfahren auf dieselbe Stelle zeigen, ist die Ortung belastbar genug, um dort zu öffnen.

Die Reihenfolge lautet deshalb: eingrenzen, dann bestätigen. Feuchtemessung und Thermografie grenzen die Fläche ein, Akustik oder Formiergas setzen den Punkt, Endoskopie oder Rohrkamera belegen den Befund. Die Druckprobe steht am Anfang und als Abnahme am Ende. Das kostet Zeit, spart aber Quadratmeter aufgestemmten Bodens.

Entscheidungshilfe nach Schadensbild

Die folgende Zuordnung ist kein Schema, sondern der übliche Einstieg. Was am Ende zum Ziel führt, zeigt sich vor Ort.

  • Feuchte Wand oder feuchter Sockel: Feuchtemessung für Ausdehnung und Anstiegsrichtung, Thermografie für die Lage der Leitungen, Endoskopie durch eine kleine Bohrung zur Bestätigung; bei Kaltwasser anschließend Formiergas.
  • Heizungsdruck fällt immer wieder ab: strangweise Druckprobe, dann Thermografie, weil warmes Heizungswasser eine deutliche Signatur im Boden hinterlässt; bleibt es unklar, den Kreis entleeren und mit Formiergas fahren. Vorher prüfen, ob Ausdehnungsgefäß oder Sicherheitsventil den Verlust erklären.
  • Wasserzähler dreht ohne Entnahme: Abgänge einzeln absperren, dann Bodenmikrofon und Korrelator; bei Kunststoffleitungen oder sehr kleinem Austritt Formiergas. Ein durchlaufender Spülkasten ist zuerst auszuschließen.
  • Nasse Stelle im Garten: Bei Druckleitungen arbeitet die Akustik im Erdreich zuverlässig, sofern der Untergrund den Schall trägt; bei unbekannter Trasse wird zuerst geortet. Geht es um Abwasser, übernehmen Rohrkamera und Ortungssonde.
  • Pool verliert Wasser: Erst trennen, ob Becken oder Verrohrung, indem der Pegel bei laufender und abgeschalteter Umwälzung verglichen wird. Die Verrohrung wird abgedrückt und abgehört, bei Kunststoff mit Formiergas; am Becken helfen Färbemittel und die Kontrolle der Einbauteile.
  • Wasser von oben bei Flachdach oder Terrasse: Die Eintrittsstelle liegt fast nie über der Austrittsstelle. Thermografie zeigt durchfeuchtete Dämmbereiche, dazu Feuchtemessung, abschnittsweise Beregnung und die Prüfung von Abläufen und Durchdringungen.

Welche Rolle das Rohrmaterial spielt

Das Material entscheidet vor allem über die Akustik. Guss und Stahl sind steif und dicht im Gefüge, sie leiten Körperschall weit und geben ihn an Armaturen ab, wo das Mikrofon ihn abnimmt. Kunststoffrohre aus Polyethylen oder Mehrschichtverbund verhalten sich umgekehrt: Die nachgiebige Rohrwand nimmt die Schwingung auf und wandelt sie in Verformung, statt sie weiterzuleiten. Das Geräusch wird leiser und dumpfer, hohe Frequenzanteile verschwinden zuerst, und nach wenigen Metern ist wenig davon übrig. Die niedrigere Schallgeschwindigkeit macht den Korrelator empfindlich gegenüber falschen Angaben zu Material und Länge.

Praktisch heißt das: An Guss und Stahl ist die Elektroakustik oft der kürzeste Weg, an Kunststoff rückt Formiergas nach vorn, weil das Gas keinen Schallweg braucht. Auch das Umfeld zählt: Sand schluckt Geräusch, verdichteter Boden leitet es weiter, eine schwimmende Dämmschicht dämpft Schall und Wärmebild.

Ehrliche Grenzen: Was kein Verfahren leisten kann

  • Kein Verfahren sieht durch massives Material hindurch. Ausgewertet wird, was an der Oberfläche ankommt: Wärme, Schall, Gas oder Feuchte. Was den Weg dorthin nicht findet, bleibt unsichtbar.
  • Kein Verfahren arbeitet ohne Signal. Ein Leck, das gerade nicht austritt, weil der Strang abgesperrt ist oder eine Ablagerung sich vorgelegt hat, erzeugt weder Geräusch noch Wärmebild.
  • Kein Verfahren ersetzt die Bestätigung an der Stelle selbst. Bis geöffnet ist, bleibt jede Ortung eine begründete Wahrscheinlichkeit. Seriös ist, diese Unsicherheit zu benennen.

Dazu kommen Randbedingungen, die sich nicht wegmessen lassen: fehlende Bestandspläne, Umbauten ohne Dokumentation, mehrere Schäden gleichzeitig oder Fremdwasser von außen, das wie ein Leitungsschaden aussieht. Dann wird schrittweise und mit begrenzten Öffnungen weitergearbeitet, statt die Fläche auf Verdacht zu entfernen.

Nach der Ortung: der Schaden muss auch weg

Eine Ortung ist erst dann etwas wert, wenn daraus eine Reparatur wird: die Stelle punktgenau öffnen, die Leitung instand setzen, durchfeuchtete Bauteile trocknen, den Aufbau wiederherstellen, mit Feuchteprotokoll und Druckprobe als Nachweis. CLIENI Abwassertechnik führt diese Schritte in Berlin und Brandenburg im eigenen Haus aus. Eine Übersicht gibt die Seite zur Leckortung, zum akuten Fall die Seite Rohrbruch orten.

Häufige Fragen

Das hängt vom Fall ab, ein generell genauestes Verfahren gibt es nicht. Formiergas grenzt kleine Austritte in entleerbaren Leitungen sehr eng ein, die Elektroakustik arbeitet an metallischen Druckleitungen präzise, die Thermografie grenzt bei warmem Medium besonders zügig ein. Verlässlich wird die Ortung, wenn zwei unabhängige Verfahren auf dieselbe Stelle zeigen.

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