Rohrreinigung · 4 Min.
Welcher Druck zu welchem Rohr passt
21. November 2026
Der Arbeitsdruck bei einer Spülung richtet sich nach Rohrwerkstoff, Zustand und Nennweite. Eine alte Steinzeugleitung mit offenen Muffen verträgt deutlich weniger als eine intakte Kunststoffleitung. Mit zu viel Druck spült man Scherben statt Ablagerungen heraus.
Hochdruckspülung klingt nach einer Einstellung: Gerät an, Düse rein, fertig. Tatsächlich ist der Druck die Entscheidung, die am meisten über das Ergebnis bestimmt, und sie fällt vor dem Einschalten.
Was die Werkstoffe unterscheidet
- Steinzeug ist hart und glatt, aber spröde. Die Muffen sind die Schwachstelle, besonders wenn die Dichtung gealtert ist.
- Gusseisen ist zäh, verliert aber durch Korrosion Wandstärke. Ein Rohr, das außen massiv wirkt, kann innen dünn sein.
- Beton ist druckfest, aber der Zementstein wird durch saures Abwasser angegriffen; dann ist die Oberfläche weich.
- PVC und PP sind elastisch und tolerant, dünnwandige Ausführungen aber empfindlich gegen punktuelle Belastung.
Warum mehr nicht besser ist
Der Strahl löst Ablagerungen, indem er sie von der Wand trennt. Ist der Druck höher als nötig, trifft er nicht nur die Ablagerung, sondern auch das, was darunter liegt. Bei einer offenen Muffe wird die Dichtung herausgespült, bei einer korrodierten Gussleitung die geschwächte Wand, bei Beton die weiche Oberfläche.
Das teuerste Ergebnis einer Rohrreinigung ist eine Leitung, die vorher dicht war und hinterher nicht mehr.
Wie die Entscheidung in der Praxis fällt
Ist das Material bekannt und die Leitung dokumentiert, lässt sich der Druck vorher festlegen. Ist beides unklar, beginnt man niedrig und steigert nur so weit, wie nötig. Bei älteren Leitungen ohne Befund wird im Zweifel vorher gefilmt, auch wenn das einen zusätzlichen Schritt bedeutet.
Dasselbe gilt für die Düsenwahl: eine Rotordüse arbeitet aggressiver als eine Standarddüse bei gleichem Druck. Beides zusammen ergibt die tatsächliche Belastung für das Rohr.
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