TV-Inspektion · 3 Min.
Scherbenbruch: der Befund, bei dem niemand warten sollte
23. Oktober 2026
Scherbenbruch bedeutet, dass Stücke aus der Rohrwand herausgebrochen sind und im Rohr liegen oder fehlen. Das Erdreich steht dann offen an der Leitung. Von allen Befunden ist das der, bei dem man am wenigsten Zeit hat.
Unter den Begriffen, die ein Kamerabericht ausspuckt, klingt Scherbenbruch harmlos. Er ist es nicht. Er bedeutet, dass Teile der Rohrwand nicht mehr an ihrem Platz sind.
Was das praktisch heißt
Ein intaktes Rohr trennt zwei Dinge voneinander: das Abwasser innen und das Erdreich außen. Bei einem Scherbenbruch fehlt diese Trennung an einer Stelle. Abwasser tritt ins Erdreich aus, und umgekehrt wird Boden in die Leitung gespült.
Beides beschleunigt sich gegenseitig. Der ausgespülte Boden hinterlässt einen Hohlraum, das Rohr verliert seine Bettung und sackt weiter ab, dabei bricht mehr heraus. Aus einer handtellergroßen Stelle wird über Monate ein Abschnitt.
Bei Scherbenbruch ist nicht die Verstopfung das Problem, sondern der Hohlraum über der Leitung. Im schlimmsten Fall sackt darüber die Oberfläche ab.
Warum Spülen hier nicht hilft
Eine Hochdruckspülung räumt Ablagerungen aus. Bei einem Scherbenbruch spült sie zusätzlich Boden heraus, der gerade noch den Hohlraum gefüllt hat. Deshalb gilt: erst der Befund, dann die Entscheidung, ob überhaupt gespült wird.
Was dann gemacht wird
- Ist die Lage der Leitung noch in Ordnung, lässt sich die Stelle grabenlos mit einem Kurzliner schließen.
- Ist die Leitung abgesackt oder über eine längere Strecke beschädigt, hilft nur Aufgraben und Erneuern.
- In beiden Fällen gehört eine Kontrollbefahrung nach der Arbeit dazu.
Welcher Weg passt, entscheidet nicht der Preis, sondern ob das Rohr noch dort liegt, wo es liegen soll. Das sieht man auf der Aufzeichnung.
Ausführlicher dazu